LÜGEN HABEN KURZE BEINE

LÜGEN HABEN KURZE BEINE

Fatima ist mit Hasan im Kinderzimmer. Sie sucht einen Fünf-Euro-Schein und fragt Hasan: „Hasan, hast du den Fünf-Euro-Schein genommen, den ich auf meinen Schreibtisch gelegt hab?“ Hasan antwortet: „Nein! Vielleicht hat ein Windstoß den Schein durchs Fenster hinausgeweht!“
Fatima weint und geht zur Mutter in die Küche. Die Mutter fragt erschrocken: „Fatima! Was ist denn passiert? Warum weinst du denn?“
Fatima sagt: „Ach Mama! Ich hatte einen Fünf-Euro-Schein auf meinem Schreibtisch, und jetzt ist er weg! Und Hasan sagt, dass vielleicht ein Windstoß das Geld durchs Fenster weggeweht hat. Aber ich glaub ihm nicht. Er hat mich nämlich vor einer halben Stunde gefragt, ob ich ihm fünf Euro leihen könne und ich hab das abgelehnt.“


Die Mutter: „Aber ohne Beweis darfst du Hasan nicht verdächtigen, dass er das Geld genommen hat. Weißt du was, ich geb dir einen neuen Fünf-Euro-Schein!“
Fatima: „Danke, Mama! Das ist lieb von dir! Aber es geht mir nicht um das Geld. Vor zehn Minuten hat mich meine Freundin Inas angerufen und mir ihre neue Telefon-Nummer mitgeteilt. Und da ich gerade keinen Zettel hatte, hab ich die Nummer mit Bleistift auf den Fünf-Euro-Schein geschrieben und diesen auf den Schreibtisch gelegt. Nach dem Telefonieren wollte ich dann die neue Nummer in mein Adressbuch schreiben. Ich bin aber nach dem Telefonieren erst auf Toilette gegangen, und als ich wieder zurückkam, war dieser Fünf-Euro-Schein weg.“

Die Mutter: „So Allah will, werde ich das Problem lösen, Fatima. Kannst du mir jetzt beim Zwiebelschneiden hier in der Küche helfen?“
Fatima: „Ja, Mama, gerne! Aber vielleicht bringen mich die Zwiebeln auch zum Weinen!“
Die Mutter lacht und sagt: „Dann verlass ich mal lieber die Küche und mache das Wohnzimmer sauber.“
Nach dem Mittagessen fragt Fatima: „Mama, darf ich zu meiner Freundin gehen und mit ihr spielen?“
Die Mutter: „Ja, Fatima!“
Hasan: „Darf ich auch gehen und mit meinen Freunden Fußball spielen?“
Die Mutter: „Ja! Aber um fünf Uhr müsst ihr wieder hier sein. Ich backe nämlich gleich einen Kuchen. So Allah will, können wir ihn um fünf Uhr essen.“
Hasan: „O Mama! Dann komme ich schon um halb fünf!“
Die Mutter: „Aber du musst mir vor dem Fußballspielen noch einen Gefallen tun!“
Hasan: „Was denn?“
Die Mutter: „Ich brauche zum Kuchenbacken noch etwas Backpulver und sechs Eier aus dem Supermarkt.“
Hasan: „Null Problemo! Kauf ich sofort!“

 

 

Die Mutter: „Das kostet zusammen etwa zwei Euro. Dummerweise hab ich aber kein Kleingeld, nur einen Zehn-Euro-Schein. Kannst du ihn vielleicht in zwei Fünf-Euro-Scheine wechseln?“

Hasan holt sein Portemonnaie aus der Hosentasche und guckt hinein. Dann sagt er: „Da hast du aber Glück gehabt, Mama! Ich hab zwei Fünf-Euro-Scheine!“
Die Mutter gibt ihm den Zehn-Euro-Schein und Hasan gibt ihr die beiden Fünf-Euro-Scheine. Die Mutter blickt auf das Geld und sieht auf einem der beiden Scheine eine Nummer und fragt Hasan: „Was ist das denn für eine Nummer auf dem Schein? Ist das eine Telefon-Nummer? Hast du vielleicht eine heimliche Freundin?“
Hasan bekommt einen roten Kopf und sagt: „Nein, nein! Ich kenne die Nummer nicht. Sie stand schon drauf, als ich das Geld bekam.“
Auf einmal ruft Fatima ganz aufgeregt: „Mama! Mama! Das ist die Telefon-Nummer von Inas! Das sind die fünf Euro, die mir gehören und die ich vorhin gesucht hab!“
Die Mutter blickt Hasan streng an und fragt: „Hasan, was hast du dazu zu sagen?“
Hasan blickt verlegen auf den Boden und stottert: „Ich?... Äh ... Vielleicht... Ich meine ... Ich weiß nicht...“
Die Mutter fragt ihn: „Woher hast du diesen Fünf-Euro-Schein?“
Hasan: „Ich hab ihn im Kinderzimmer gefunden.“
Die Mutter: „Und warum hast du das nicht Fatima gesagt, als sie dich nach dem Schein gefragt hat, als sie ihn gesucht hat?“
Hasan meint nach kurzem Schweigen: „Entschuldigung, Mama! Und Entschuldigung, Fatima! Ich hab gelogen. Aber ich werd das bestimmt nicht wieder tun!“
Die Mutter: „Es ist gut, dass du dich entschuldigst und versprichst, dass du künftig nicht mehr lügen willst. Aber trotzdem hast du eine Strafe verdient. Weil du dich jedoch entschuldigt hast und dich in Zukunft besser verhalten willst, darfst du deine Strafe selbst bestimmen.“
Hasan überlegt kurz und sagt zur Mutter: „Gib Fatima die beiden Fünf-Euro-Scheine! Der eine gehört ihr ja, und der zweite ist ein Geschenk von mir. Und anstatt zum Fußballspielen zu gehen, helf ich dir beim Kuchenbacken!“
Die Mutter und Fatima klatschen begeistert und die Mutter und Fatima sagen: „Einverstanden!“
Dann sagt die Mutter mahnend zu Hasan: „Aber vergiss nicht, dass das Lügen im Islam und auch in anderen Religionen verboten ist und ein deutsches Sprichwort »Lügen haben kurze Beine« sagt!“
Fatima lacht und meint: „Aber Mama! Hasan hat doch gar keine kurzen Beine!“
Die Mutter erklärt: „Ja, da hast du Recht. Aber das Sprichwort hat eine übertragene Bedeutung, dass nämlich die Lüge mit ihren kurzen Beinen nicht schnell und nicht weit laufen kann, während die Wahrheit mit ihren langen Beinen die Lüge schnell einholt. Und nun geh zu deiner Freundin, und du, Hasan, geh schnell in den Supermarkt und kaufe Backpulver und Eier! Und dann backen wir, so Allah will, einen leckeren Kuchen!“

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